"I'm listening to Neil Young, I gotta turn up the sound.
Someone's always yelling: 'Turn it down'." (Bob Dylan: Highlands)
Someone's always yelling: 'Turn it down'." (Bob Dylan: Highlands)
Kleine Scheibe, große Hits.
Das offiziell Beste von Neil Young. Zweite Auswahl.
Neil Young Greatest Hits (Reprise Records, Warner Music Group 2004)
Das offiziell Beste von Neil Young. Zweite Auswahl.
Neil Young Greatest Hits (Reprise Records, Warner Music Group 2004)
von Andreas Weigel
Die Zusammenstellung von "Greatest Hits"-Alben ist oft nur schwer nachvollziehbar. Im vorliegenden Fall werden a) Verkaufszahlen, b) Rundfunkausstrahlungen sowie c) Download-Ausmaß als Kriterien für die Auswahl genannt. Allerdings berücksichtigen Verkaufszahlen und Download-Ausmaß nur jene Titel, die tatsächlich im Handel zu haben sind. Sie ignorieren, dass wichtige Alben Neil Youngs Jahre lang vergriffen waren, weil er sich als erklärter Vinyl-Fan und entschiedener CD-Gegner lange gegen CD-Versionen seiner LPs gesträubt hat und sich teilweise noch heute wehrt.
So wurden etwa die Alben On The Beach (1974) und American Stars 'n Bars (1977) erst heuer auf CD veröffentlicht. Weiterhin nicht im Handel erhältlich ist das legendäre Live-Album "Time fades away" (1973), dessen faszinierender Titelsong nur noch mittels abgespielter LPs und Audiokassetten zu hören ist.
Viele Lieder waren lange Zeit nur dank des Sammelalbums Decade verfügbar, das relativ früh als Doppel-CD vertrieben wurde und Youngs Rezeption so maßgeblich bestimmt hat, dass Decade und Greatest Hits nun so grundlegend übereinstimmen, dass sie einander konkurrieren - 11 der 16 Greatest Hits sind auch auf Decade enthalten: Down By The River (1969); Cowgirl In The Sand (1969); Cinnamon Girl (1969); Helpless (1969); After The Goldrush (1970); Southern Man (1970); Ohio (1970); The Needle + The Damage Done (1971); Old Man (1971); Heart Of Gold (1971) und Like A Hurricane (1975).
Gemeinsam mit Only Love Can Break Your Heart (1970), Comes A Time (1977), Hey Hey My My (Into The Black) (1978), Rockin' In The Free World (1989) und Harvest Moon (1991) wurden sie für die knapp 80 Minuten dauernde CD digital überarbeitet, was ein kleiner Wettbewerbsvorteil der Greatest Hits ist.
Der gelungene Querschnitt verdeutlicht, welchen wesentlichen Beitrag Neil Young seit Anfang der Siebziger Jahre als Singer-Songwriter zur Geschichte der Rockmusik beigetragen hat.
Der gelungene Querschnitt verdeutlicht, welchen wesentlichen Beitrag Neil Young seit Anfang der Siebziger Jahre als Singer-Songwriter zur Geschichte der Rockmusik beigetragen hat.
Auf den ausgewählten Aufnahmen musiziert er unter anderem mit Crosby, Stills und Nash sowie seinen langjährigen Begleitbands "Crazy Horse" und "Stray Gators". Die Band-Breite umfasst Blues, Country, Folk, Rock und alles was dazwischen und drum herumliegt.
Youngs charakteristisch dünne, brüchige Stimme ist ideal für das inbrünstige Wehklagen seiner mühselig schleppenden Klagelieder, die er (mal allein, mal mit Begleitband) am Klavier, mit Mundharmonika und elektrischer bzw. akustischer Gitarre spielt.
Zu hören sind die eher ruhigeren Werke: berührend traurige Klassiker, wie Helpless und After The Goldrush, aber auch stürmische Liebeserklärungen, wie Like A Hurricane, bei denen die Gitarren noch nicht über das erträgliche Maß verzerrt werden.
Langen Atem beweisen ausufernde Improvisationen, die vom Zauber des Timings geleitet stets im richtigen Moment zu den Gesangpassagen zurückkehren: kurz bevor man den musikalischen Ausgangspunkt aus den Ohren verloren hat und das freie Musizieren als langatmig empfindet.
Beim Timing, aber auch bei der Interpretation seiner Lieder hat es Young jüngst immer wieder fehlen lassen: "They all sound the same", protestierte ein verärgerter Konzertbesucher gegen den endlos brodelnden Einheitsklangbrei. Youngs prompte Antwort: "It's all one song", beweist Schlagfertigkeit, entkräftet aber nicht die berechtigte Kritik, dass sein Werk oft unter seiner undifferenzierten Hauruck-Interpretation leidet.
Die berüchtigten Lärmorgien werden durch die Live-Version von Hey Hey My My (Into The Black) angedeutet, bei der "Crazy Horse" so übermäßig verzerrt spielen, dass es vor allem scheppert und kracht.
Die 16 Kostproben der "Greatest Hits"-CD bieten einen guten Eindruck von Neil Youngs frühem Schaffen, das sein hohes Ansehen als Singer-Songwriter begründet hat.


Kunsthaus Bregenz





