Verlorene Liebesmüh
Eric Claptons schwerfällige Reverenz an Robert Johnson
von Andreas Weigel
Eric Claptons schwerfällige Reverenz an Robert Johnson
von Andreas Weigel
Der sagenumwobene Robert Johnson hat trotz seines frühen, gewaltsamen Todes einen nachhaltigen Einfluss auf die Geschichte des Blues und Rock. Sein quantitativ spärliches, aber qualitativ reichhaltiges Gesamtwerk hat sich als besonders stilbildend erwiesen, obwohl es nur 29 Lieder umfasst.
Im Lauf der Jahre hat Clapton - mal hier, mal dort ein Lied von Johnson interpretiert: beispielsweise "Rambling on my mind" 1966 mit John Mayalls Bluesbreakers (auch 1979 auf "Just one Night" live im Budokan) "Crossroads" 1968 mit Cream (und 1999 gemeinsam live mit Bob Dylan auf "Eric Clapton & Friends in Concert"), "Walkin' Blues" und "Malted Milk" 1992 auf "MTV Unplugged".
Ein ganzes Album hat er erst im Vorjahr mit "Me & Mr. Johnson" vorgelegt, dessen technisch perfektes, aber völlig uninspiriertes Spiel den 14, aus Johnsons Gesamtwerk ausgewählten Liedern, nicht gerecht wird, weil es die ausgetrampelten Pfade eines rumpelnden Holter-die-Polter-Blues selten verlässt.
Schwerfällig pumpernder Rumpel-Rock - Gewogen, und als zu leicht empfunden
Old "Slowhand" benutzt Johnsons Lieder als Faulenzer, um emotionslos, routiniert und uninspiriert sein technisches Können vorzuführen. Dabei stampft die dumpf pumpernde Rhythmuspartie, der die erforderliche Feinheit für Nuancen fehlt, alles zu einem akustischen Einerlei ein.
"Me & Mr. Johnson" kann Claptons leidenschaftliche Verehrung für sein Vorbild und die Faszination, die dieses zeitlebens auf ihn ausgeübt hat, wirklich nicht vermitteln. Johnsons Lieder bleiben in Claptons Interpretation "kaum artikulierter als dumpfes Gepolter: Tragisch, wie wenn ein schwerer Schrank umfällt; bum!" (Robert Musil).
Aus diesen Gründen konnte "Me & Mr. Johnson" nicht überzeugen, weshalb nun mit der CD-DVD-Kombibox "Sessions for Robert J" eine Art Zuwaage nachgeliefert wird, die "Me & Mr. Johnson" mehr Gewicht verleihen und erneut das öffentliche Interesse darauf lenken soll.
Unterschiedliche Liedauswahl, Stimmung und Atmosphäre
"Sessions for Robert J" enthält 11 der 14 schon für "Me & Mr. Johnson" ausgewählten Lieder. Es fehlen mit "Last Fair Deal", "32-20 Blues" und "Come on in my Kitchen" drei Johnson-Songs, die durch "From Four Until Late", "Sweet Home Chicago", "Terraplane Blues" und "Stones in My Passway" ersetzt werden.
Schon am Ende der ersten gefilmten Probe erklären Clapton und seine Begleitmusiker offen, dass die aktuellen Einspielungen besser sind, als die "Me & Mr. Johnson"-Aufnahmen, weshalb sie die Probenaufnahmen gleichfalls veröffentlicht sehen wollen.
Tatsächlich klingen "Sessions for Robert J" ein wenig unverkrampfter und entspannter als das schwerfällige, museal wirkende "Me & Mr. Johnson".
Die DVD bietet 15 Ausschnitte von 4 Aufnahmeterminen. Zu sehen sind: a) Clapton bei zwei unterschiedlichen Proben mit seiner Tourband, b) Clapton beim Akustikgitarrenduett mit seinem aktuellen Begleitgitarristen Doyle Bramhall und c) Clapton solo.
Die Lieder sind fix und fertig eingeübt, weshalb sie vor dem Filmteam gleichsam als Generalprobe ohne jegliche Änderung von Anfang bis Ende routiniert durchgespielt werden.
Die erste Aufnahmesession mit der Tourband entstand kurz vor Start der 2004er Tournee in England und bietet folgende Aufnahmen:
1. Kindhearted Woman Blues
2. They're Red Hot (fehlt auf CD)
3. Hellhound on My Trail (fehlt auf CD)
4. Sweet Home Chicago
5. When You Got a Good Friend (fehlt auf CD)
2. They're Red Hot (fehlt auf CD)
3. Hellhound on My Trail (fehlt auf CD)
4. Sweet Home Chicago
5. When You Got a Good Friend (fehlt auf CD)
Die zweite Aufnahmesession mit der Tourband entstand knapp vor dem amerikanischen Tourneestart in Irving, Texas, und widmet sich der Einspielung von:
1. Milkcow's Calf Blues
2. If I Had Possession Over Judgment Day
3. Stop Breakin' Down Blues
2. If I Had Possession Over Judgment Day
3. Stop Breakin' Down Blues
Die dritte Aufnahmesession hat Clapton am Folgetag mit seinem Tourgitarristen Doyle Bramhall in Dallas, Texas, und in eben jenen historischen Räumlichkeiten eingespielt, wo Robert Johnson selbst in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Teil seiner Lieder aufgenommen hat. Dabei werden folgende Lieder als Akustikgitarren-Duette eingespielt:
1. Terraplane Blues
2. Me and the Devil Blues
3. From Four Until Late
4. Love in Vain (fehlt auf CD)
2. Me and the Devil Blues
3. From Four Until Late
4. Love in Vain (fehlt auf CD)
Die vierte Aufnahmesession, die nach dem Abschluss des amerikanischen Tourneeteils statt gefunden hat, zeigt Old "Slowhand" mit akustischer Gitarre solo in einem Hotelzimmer in Santa Monica, Kalifornien:
1. Ramblin' on My Mind
2. Stones in My Passway (fehlt auf CD)
3. Love in Vain Solo-Akustik-Gitarre (fehlt auf CD)
2. Stones in My Passway (fehlt auf CD)
3. Love in Vain Solo-Akustik-Gitarre (fehlt auf CD)
Ergänzend zu den Aufnahmen sind zahlreiche Interview-Ausschnitte zu sehen, in denen Clapton über Robert Johnsons Leben und Werk erzählt.
Der Großteil dieser 15 DVD-Aufnahmen ist auch auf der CD zu hören. Diese enthält neben neun von der DVD kommenden Liedern mit "Little Queen of Spades" und "Traveling Riverside Blues" zwei zusätzliche Aufnahmen, die nicht von der DVD stammen, und über deren Herkunft man auch nichts erfährt (wenn man davon absieht, dass sie auf dem CD-Cover fälschlicherweise als "DVD-Bonus" angeführt werden, obwohl sie ein Extra der CD sind).
"Love in vain" als verlorene Liebesmüh
Obwohl Clapton im Lauf der Jahre wiederholt einige Lieder seines Vorbildes Johnson gecovert hat, ist ihm bislang keine so bleibende Interpretation gelungen, wie es etwa die Rolling Stones mit "Love in Vain" geschafft haben.
Keith Richards und Mick Jagger haben Johnsons Rohdiamanten den letzten Schliff gegeben. Durch ihre stimmige Interpretation hat "Love in Vain" (auf "Get yer ya-ya's out" bzw. "Let it bleed") ein funkelndes Feuer erhalten, das Claptons "Love in vain"-Einspielungen mangelt. Bei seinen beiden Aufnahmen spürt man nicht einen Hauch der tristen Bahnhofsabschiedsstimmung, noch den Rhythmus des abfahrenden Zuges.
Erneut hat es Clapton verabsäumt, sich das Werk seines Vorbildes so unverwechselbar anzueignen, wie sich etwa Jimi Hendrix unter anderem "Hey Joe", "All along the Watchtower" und "Star Spangled Banner", John Cale "Heartbreak Hotel", die Allmann Brothers Band den "Statesboro Blues", Kooper/Stills "Season of the witch" oder das Kronos-Quartett Jimi Hendrix' "Purple Haze" angeeignet haben.
Fazit: Eric Claptons Reverenzen überzeugen nicht, weil sie weder Johnson, noch Clapton sind.
Peter Green, Eric Claptons Nachfolger bei John Mayalls Bluesbreakers, hat schon 1998 ein Robert Johnson "Songbook" aufgenommen, das mit wichtigen Preisen ausgezeichnet wurde, obwohl Green heute leider nur noch ein schwacher Schatten seiner selbst ist.
Ich kann daher weder seine, noch Claptons Reverenzen an Robert Johnson empfehlen. Statt dessen rate ich zu "The Best of Peter Green's Fleetwood Mac", weil diese CD mit "Albatross", "Black Magic Woman", "The Green Manalishi", "Man of the world", "Merry Go Round", und "I loved another woman" besonders hörenswerte Kompositionen aus dem beachtlichen Frühwerk des stilbildenden Ausnahmegitarristen Peter Green bietet, dessen erfolgreiche Karriere völlig unerwartet einen tragischen Knacks erfahren hat, von dem er sich nie wieder wirklich erholt hat.
Eric Clapton: "Me & Mr Johnson" (CD, Warner Bros, 2004)
Eric Clapton: "Sessions for Robert J" (CD und DVD, Warner Bros, 2004).
Eric Clapton: "Sessions for Robert J" (CD und DVD, Warner Bros, 2004).


Kunsthaus Bregenz




